„Die sanfte Kämpferin“
Joana Zimmer

Im letzten Jahr stürmte Sie mit ihrem CD-Debüt die Charts und überraschte die Musikwelt mit ihrer einzigartigen Stimme und Ausstrahlung. Die sympathische blinde Sängerin im Durchblick-Interview über ihr zweites Album, ihre Behinderung und die Hürden des Lebens.
„I Believe (Give A Little Bit…)“, ihre erste Single, bescherte der 23-jährigen den sofortigen Durchbruch und höchstes Lob von Fans und Kritikern. Ihr Debütalbum „My Innermost“ führte den Erfolg weiter fort. Nun meldet sich die gebürtige Freiburgerin mit ihrem zweiten Album „The Voice In Me“ eindrucksvoll zurück und beweist, dass sie zu Recht als eine der hoffnungsvollsten und talentiertesten Nachwuchskünstlerinnen gehandelt wird: Ihre kraftvolle Stimme, ihr Charisma und ihr außergewöhnliches Talent verzaubern einmal mehr. Der nächste Schritt auf ihrem künstlerischen Weg vom Newcomer zur etablierten Künstlerin, die auch international das Interesse der Musikwelt geweckt hat, ist für die sanfte Kämpferin getan.
Zeit für ein Durchblick-Interview mit Joana. Rekordverdächtige 3 Versuche sind notwendig, bis das Interview zu-stande kommt...
Die gute Beyoncé wäre auch nicht schwerer zu erreichen. Aber schließlich klappt der Kontakt. Und Joanas angenehme Art entschädigt für die erhebliche Vorbereitungszeit:
„Ich habe gelernt zu kämpfen und mich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen. Alles ist möglich, nichts kann mich aufhalten. So bin ich“, beschreibt Joana Zimmer ihren ungewöhnlichen Lebensweg. Durch eine sehr seltene Augenkrankheit seit ihrer Geburt blind, hat die 22-jährige gelernt, auf ihre Art den Vorurteilen zu begegnen: mit viel Humor, Schlagfertigkeit und Ausdauer: „Wir müssen offen auf die Menschen zugehen, ohne Scheu die Fragen der Sehenden zu unserer Behinderung beantworten.“ Sie verfolgt jedes Ziel konsequent, konzentriert und mit viel Ehrgeiz. „Nicht zu sehen ist ein Handicap, aber wieso sollte ich nicht alles versuchen? Ich weiß, dass es Hindernisse gibt, doch auch, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen. Ich weiß, wie viel Kraft es kosten kann. Und trotzdem kann mich nichts stoppen“, erzählt Joana Zimmer und fügt lachend hinzu: „Bisher konnte mich nichts vom Gegenteil überzeugen.“
• Joana Zimmer denkt positiv: „Es gibt immer einen Weg, den man gehen kann. Man muss nur immer wieder einen Anlauf nehmen!“
In Freiburg geboren, in den USA zweisprachig aufgewachsen und schließlich vor vielen Jahren nach Berlin gekommen, hat sich Joana Zimmer von klein auf der Musik gewidmet. Die Stimmerziehung im Rahmen eines renommierten Berliner Chors prägte ihren musikalischen Weg. Bereits mit 15 Jahren trat sie in diversen angesagten Jazzclubs der Hauptstadt Deutschlands auf und arbeitete weiter an den beeindruckenden Facetten ihrer Stimme. Sie organisierte sich eigenständig Auftritte in Clubs und vornehmen Hotels, modelte und sparte die Gagen für ihr erstes Demoband. Der Plattenvertrag mit dem Major Label Universal Music bedeutete die große Chance, mit namhaften Produzenten zu arbeiten.
Doch im heutigen Musicbiz sind doch vor allem die „Visuals“, also Aussehen und Style wichtig. Wie tust Du da? „Farben merke ich mir am liebsten durch Gegenstände, die man auch angreifen kann. Pink ist meine Lieblingsfarbe, gerade weil es nicht so einfach zu beschreiben ist.“ Doch auch die Kleidung, der Dress Code, ist doch für einen Popstar besonders wichtig: „Da hab ich schon Berater. Und ob eine Jeans sexy sitzt, das spür ich schon selber...“ lacht Joana.
Und erzählt: „Bei meiner Bühnenshow etwa hab ich mir einiges einfallen lassen. Mir ist klar, dass es heutzutage für die Sehenden nicht reicht, einfach auf der Bühne zu stehen und einen Song vorzusingen. Da braucht es schon eine Choreographie. Dazu werden speziell für mich auf dem Boden Markierungen festgeklebt, und so weiß ich dann, wo ich bin und was ich an der je-weiligen Stelle performen muss. Hinter mir sind oft Stangen, die in die Choreographie eingebunden sind. Zum Beispiel weiß ich, dass am Ende der einen Stange meine Backgroundsängerin steht.“
Und wie mobil bist Du selbst im Alltagsleben? „Nun, einen Blindenhund habe ich nicht, denn das Tier würde wohl unter meiner regen Reisetätigkeit leiden. Alleine gehe ich selten aus, denn ich würde mich unsicher fühlen, wenn mich Leute als Joana Zimmer erkennen würden.“
Noch einen Satz zu Deinen Vorbildern? „Mein absolutes Idol ist Barbra Streisand, sie hat eine tolle Stimme und ist menschlich top. Musikalisch gefällt mir persönlich eher so die R&B-Richtung, wie sie eine Beyoncé vertritt. Stimmlich gefällt mir natürlich Mary J. Blige, aber auch Nelly Furtado.“ Und wenn Timbaland (Anm.: Timbaland ist der Star-Produzent u.a. von Nelly Furtado oder Justin Timberlake.) Dir anbietet, einen Remix mit Dir zu machen? „Dann würde ich sagen: Kein Remix eines Songs von mir, denn die Songs sind gut, wie sie sind. Aber einen neuen Titel würde ich ger-ne mit ihm aufnehmen.“
Joana, Hand aufs Herz, hat Dir Deine Behinderung im Musikgeschäft eher geschadet oder genützt? „Weder noch, ich hätte so oder so meinen Weg gemacht.“
Hättest Du noch eine besondere Message für unsere Leser?
Joana überlegt kurz: „Nur nicht den Durchblick verlieren, im positiven Sinn.“
Danke für das Gespräch!
Dr. Rainer Kavalir
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