Springen zu

Telekom austria

Suche

Sie befinden sich hier:

Bieten moderne Medien Berufschancen für blinde Menschen?

Ja, tun sie. Aber das Umfeld muss stimmen.

Ein großes Mischpult © mischpult.jpg Das ist, kurz zusammengefasst, das Ergebnis der 10. Boltenhagener Medientage für Blinde. Boltenhagen ist ein schöner Kurort an der Ostsee mit einem für blinde Menschen hervorragend adaptierten Gästehaus.
Am Balkon stehend, habe ich das Rauschen des Meeres gehört. Bis zum Strand gibt es ein Leitsystem, den Mut zum Baden hatte ich allerdings nicht, denn die Tagung fand vom 30.10.-2.11.2008 statt.

Die neuen Medien bieten eine breite Berufspalette


Mit Begleitpersonen und Referenten waren wir circa 40 Personen, die meisten davon aus Deutschland. Die Vorstellungsrunde am Abend des ersten Tages hat eindrucksvoll gezeigt, wie viele Berufe im Bereich der modernen Medien von Blinden und Sehbehinderten ausgeübt werden: Audiojournalist, Tondokumentar, Onlineredakteur, Tontechniker, … Vor allem öffentliche Rundfunkanstalten und Privatradios sind die Arbeitgeber. Jeden Abend wurden akustische Arbeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorgestellt.

Der nächste Vormittag war hauptsächlich den Ausbildungsmöglichkeiten vorbehalten: Onlinedokumentar in Frankfurt, Tontechniker integrativ an der Svefi-Akademie in Schweden. Ich konnte über Soundbearbeitungskurse am Berufsbildungs- und Forschungszentrum für Blinde und Sehbehinderte Wien (BBFZ) und über musikalische und multimediale Förderung am Bundes-Blindenerziehungsinstitut (BBI) berichten.

Mehr Rechte im Beruf


In einer Telefonkonferenz war die "Zentrale Arbeits- und Auslandsvermittlung" (ZAAV) - ähnlich unserem Arbeitsmarktservice - in Bonn zugeschaltet und beantwortete einschlägige Fragen. Die Vertrauensperson der öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen war als Referentin bei uns in Boltenhagen und zeigte Wege auf, wie behinderte Menschen ihre Rechte im Beruf besser wahrnehmen können. Eine Diplomarbeit wurde vorgestellt, in welcher die Situation von Behinderten im Verbund der Rundfunksender Deutschlands dargestellt wurde.

Behindertenfreundliche Neuerungen im Bereich Technik


Der nächste Tag war vorwiegend technischen Fragen vorbehalten. Die Rundfunksender Deutschlands schaffen eine neue Datenbank und hier ist besonders die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit durch blinde und sehbehinderte Menschen anzustreben. Eine Arbeitsgemeinschaft von Fachleuten ist in dieses Projekt eingebunden. Am Nachmittag gab es einen Workshop über Fremd- und Selbstwahrnehmung mit Schwerpunkt auf Interviews und parallel dazu wurden die Ergebnisse des EU-Projektes Proguide vorgestellt und praktisch demonstriert. Ziel des Projektes war es, Geräte und Software einer im Tontechnikbereich tätigen Firma für die Benutzung durch Blinde zu adaptieren. Die Wahl fiel auf die Firma Sadie, welche 1000 Mischpulte an die BBC geliefert hat, wodurch 25 Arbeitsplätze für blinde Menschen geschaffen werden konnten. Wir durften an den Reglern hantieren und die dazugehörige Software bedienen.

Am letzten Abend wurde das Buch „Ich hab’s kommen sehen - Blindenwitze“, das als Hörbuch in der Deutschen Zentralbibliothek in Leipzig erscheint, vorgestellt. Anschließend war Bühne frei für jedermann, der musizieren wollte.

Am letzten Tag war Rückblick und Vorausschau angesagt. Mit dem Mittagessen schloss die Tagung, welche in entspannter Atmosphäre verlaufen ist. Meine Kollegin Claudia Rauch und ich konnten einer jungen Frau mit ägyptischen Wurzeln erklären, was "Tontechniker" auf Arabisch heißt. - Bitte in der folgenden Wortgruppe das „ch“ mit einem kehligen Laut aussprechen! - Tontechniker heißt auf arabisch: "Mach ma Hall".

Zum Abschluss meines Berichtes stelle ich eine Umfrage von Claudia Rauch, die sich um das Konzept einer multimedialen Ausbildung in Österreich bemüht, vor:

Ohren gespitzt - Neue Berufsmöglichkeiten in Aussicht


Derzeit ist eine Ausbildung für Musik- und Medienberufe, die voraussichtlich im Herbst 2009 starten soll, in Planung. Diese Ausbildung richtet sich an all jene, deren Begabungen und Interessen in den Bereichen Musik, Tontechnik, kreativer Umgang mit Sprache und Audiomaterial sowie Journalismus, Moderation und Dokumentation liegen. Die während dieser Ausbildung erworbenen Fertigkeiten werden zu folgenden Berufsmöglichkeiten befähigen:

* Tontechniker, Musikproduzent
* Sounddesigner (Werbung, produktspezifisch, Beschallung)
* Journalist, Sprecher, Redakteur oder Dokumentar in Radio bzw. Fernsehen
* Mitarbeiter für Hörbuch- bzw. Hörfilmproduktionen

Interessenten für diese Ausbildung melden sich bitte unverbindlich bis spätestens 15. Jänner 2009 mit ihren Kontaktdaten bei Claudia Rauch, unter der Telefonnummer 0699 10 47 64 64 oder unter E-mail: office@igel.co.at

Verfasser des Artikels: Erich Schmid

Bildmaterial: Herbstlandschaft © Tobias Zeller/PIXELIO

zurück

Haben Sie auch was zu diesem Thema zu sagen, dann registrieren Sie sich jetzt.

Easy2See

Textgröße

Farbkontraste