Für blinde und sehbehinderte Menschen wird es immer leichter, sich moderner Kommunikationsmedien zu bedienen. Trotzdem gibt es in dieser Gruppe nach wie vor eine hohe Zahl von Menschen, die den Zugang zur "digitalen Welt" noch nicht gefunden haben.
Die Gründe sind ganz verschieden: Manche können sich die Software nicht leisten, die den Inhalt von Bildschirmen hörbar machen. Für andere sind Lösungen, die Texte auf dem Bildschirm strark vergrößern, schlichtweg zu teuer.
Die Europäische Blindenunion (EBU) hat deshalb in Zusammenarbeit mit Partnern aus sechs EU-Ländern ein europaweites Projekt mit dem Ziel gestartet, Betroffenen zu helfen. Für blinde Mensche wurde ein kostenloser "Screenreader" entwickelt, der Bildschriminhalte in eine gut verständliche synthetische Sprache umwandelt. Für Sehgeschädigte, die eine starke Vergrößerung von Biildschirmtexten benötigen, wurde eine zwar kostenpflichtige, aber preisgünstige Software gefördert.
Ein weiterer wichtiger Teil des Projekts ist die Ausbildung potentieller Trainer durch ein "E-Learning"-Konzept. In Online-Kursen werden die Trainer darauf vorbereitet, den betreffenden Personenkreis möglichst schnell und sicher für den Einsatz der genannten Lösungen auszubilden.
Das EU-Projekt heißt "Dicomp-S.net" (Digital competence screenreader network) und lief vom 1. Jänner 2007 bis 30. Juni 2008. Am 9. und 10. Juni 2008 kamen die Projektteilnehmer in Frankfurt am Main zusammen, um die bisherigen Projekt-Ergebnisse gemeinsam anzuschauen und zu bewerten. Ich vertrat als Experte die "EBU Commission on Access."
Die EBU Commission on Access (kurz: "Access Commission") berät die Europäische Blindenunion überall dort, wo es darum geht, den Zugang zu Technologien und Kommunikationsmedien für blinde und sehgeschädigte Menschen zu gewährleisten. Im Rahmen dieser Arbeit können wir Vorschläge machen, sie sind jedoch nicht rechtsverbindlich.
Was könnte Dicomp-S.net nun blinden und sehbehinderten Menschen in Österreich bringen? Die Antwort ist leicht: Geld sparen und Geld verdienen. Herkömmliche Screenreader-Lösungen für blinde bzw. sehgeschädigte Menschen kosten bis zu € 1.100,00. Der Sreenreader von Dicomp-S.net, der den Namen "Thunder" trägt, ist dagegen gratis erhältlich. Der von Dicomp-S.net speziell für sehgeschädigte Computernutzer bereitgestellte Screenreader heißt "Lightning" und kostet ca. € 120,00. So viel zum Thema sparen.
Wie aber kann man mit den Dicomp-S.net Screenreadern Geld verdienen. Viele Anwender von Lightning und Thunder haben bisher nie mit einem Computer gearbeitet. Es wird daher erforderlich sein, den Betreffenden die Verwendung des Sreenreaders zu erklären und gleichzeitig Einführungskurse in Windows-Programme wie MS Word, MS Excel und Internet Explorer anbieten.
Selbstverständlich müssen die Einsteiger ebenfalls lernen, MS Windows über die Tastatur, also ohne Maus, zu bedienen. Hier gibt es sehr viel zu tun.
Wer mehr über Dicomp-S.net, Lightning und Thunder wissen möchte, findet alle Informationen unter http://www.screenreader4free.eu
Die technische Kommission der EBU hat weitere Aufgaben: So wurde sie in den letzten Jahren unter anderem beauftragt, die Verwendbarkeit von GSM-Handys durch Blinde zu überprüfen.
Ein anderer Schwerpunkt der Kommission ist es Richtlinien für die Erstellung von "Hörfilmen" vorzuschlagen, damit blinde und sehgeschädigte Menschen auch Filme im Kino oder im Fernsehen verfolgen können.
Weitere Informationen über die Arbeit der technischen Kommission der EBU sind unter der Internet-Adresse http://www.euroblind.org zu finden. (Mike Busboom)
Bildquelle: www.pixelio.de, Fotograf: Michael Hirschka
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